Steht der europäische Immobilienmarkt vor einer Trendwende? In unserem jüngsten Webinar, Real Estate Trends in 2026, diskutierten Dr. Jan Linsin (Head of Research, CBRE Germany), Mark Holz (Head of Strategy and Research, Lübke Kelber) und Alexandre Grellier (CEO, Drooms), wo der Markt steht und wohin er sich entwickelt. Moderiert wurde das Webinar von Jasper Radü (PB3C).
Transaktionsdauer stabilisiert sich
Zum ersten Mal seit Beginn der Messung vor fünf Jahren ist die durchschnittliche Transaktionsdauer in Europa nicht weiter gestiegen. Mit rund 363 Tagen hat sie sich stabilisiert, in Deutschland ist sie sogar leicht rückläufig. Dennoch empfinden über 53 % der befragten Fachleute Transaktionen weiterhin als länger werdend, und 24 % berichten von sinkender Abschlusswahrscheinlichkeit nach der Due Diligence. Kürzere Laufzeiten, so Alexandre Grellier, bedeuten nicht automatisch mehr Abschlüsse.
Die Investmentvolumina deuten jedoch auf eine Erholung hin. Laut CBRE-Daten steuert Deutschland im ersten Quartal 2026 auf 8 Mrd. € zu, gegenüber 7,2 Mrd. € im Vorjahr. Die USA und Großbritannien erholen sich schneller, während das deutsche Bewertungssystem weiterhin hinterherhinkt. Eine Rückkehr zum Spitzenwert von über 100 Mrd. € ist unrealistisch, das CBRE-Basisszenario für Deutschland 2026 liegt bei 35–40 Mrd. €.
Die Preisvorstellungslücke: nach wie vor das größte Hindernis
Die Diskrepanz zwischen Käufer- und Verkäufererwartungen bleibt laut einer CBRE Umfrage unter 900 europäischen Investoren der größte Gegenwind – noch vor geopolitischer Unsicherheit und Zinsen. Zwischen Banken und Investoren läuft ein Prolongationsspiel: Kredite werden Jahr für Jahr verlängert, statt Verkäufe zu Marktpreisen zu erzwingen. Doch bei 10-jährigen Bundesanleiherenditen von 3,1 % und der höchsten NPL-Quote bei Gewerbeimmobilien in ganz Europa laut aktuellen EBA-Daten wächst der Druck. Die Diskutanten waren sich einig: Das Spiel wird enden, nicht mit einer plötzlichen Schwemme, sondern als langsamer, stetiger Abbauprozess.
Wohnen führt, Büros bieten selektive Chancen
Wohn- und Living-Konzepte bleiben die gefragteste Assetklasse, getrieben durch strukturellen Angebotsmangel und planbare Einnahmen. Logistik, Rechenzentren und Hotels ziehen ebenfalls starkes Interesse auf sich, der Hotelsektor war 2025 gemessen am Investmentvolumen das am stärksten wachsende Teilsegment in Deutschland. Bei Büros zeigt sich ein geteiltes Bild: Sekundäre Objekte in schwachen Lagen stoßen auf kaum Nachfrage, während Prime-Produkte in Top-Städten auf historisch niedrigen Multiplikatoren gehandelt werden, mit Potenzial für Value Plays für informierte Investoren.
Unvorhersehbarkeit als neue Konstante
Fünf große externe Schocks in fünf Jahren, von der Pandemie bis zur Iran-Krise, haben Exit-Szenarien, so Mark Holz, „völlig unvorhersehbar“ gemacht. Die Due-Diligence Volumina auf der Drooms-Plattform haben sich verdoppelt bis verdreifacht, die Q&A Aktivität erreicht Rekordwerte. Die Diskutanten waren sich einig: Technologie und Daten werden entscheidend sein, um Transaktionslaufzeiten zu verkürzen, selbst bei weiter steigender Komplexität. Ein professionellerer, datengetriebener Ansatz beim Investieren zeichnet sich ab, und das ist ein positives Signal.
Was das für Investoren bedeutet
Der europäische Immobilienmarkt erlebt keine dramatische Trendwende, sondern eine schrittweise Normalisierung. Volumina steigen, die Aktivität nimmt zu und Kapital sucht nach Gelegenheiten. Doch die Ära der einfachen Deals ist vorbei. Erfolg erfordert tiefere Analysen, schnellere Prozesse und bessere Daten.
Die vollständige Webinar-Aufzeichnung, inklusive Live-Fragen zu Wohnrenditen und ob die aktuelle Marktlage das „neue Normal“ darstellt, finden Sie hier:





