Remote-Arbeit ist für viele Beschäftigte nach der COVID-19-Pandemie zur Normalität geworden. Auch wenn sie mehr Flexibilität und eine bessere Work-Life-Balance ermöglicht hat, wird viel darüber spekuliert, wie sich die Rückkehr der Remote-Arbeitenden in die Büros auf die Gewerbeimmobilienwerte auswirkt. In diesem Artikel untersuchen wir, wie die Transaktionswerte von Gewerbeimmobilien von diesem globalen Trend beeinflusst werden und welchen Unterschied es dabei macht, ob man sich in Großbritannien, Deutschland, Frankreich oder Spanien befindet.
Die Rückkehr der Remote-Arbeitenden – eine globale Perspektive
Es kommen global gesehen mehrere gemeinsame Faktoren ins Spiel, auf die wir hinsichtlich des Ausmaßes, in dem Remote-Arbeitende an die Arbeitsplätze zurückkehren, verweisen können.
Mit der zunehmenden Verbreitung der Remote-Arbeit haben viele Unternehmen erkannt, dass sie durch die Verkleinerung ihrer Büroflächen an Miete sparen können. Da weniger Mitarbeitende ins Büro kamen, brauchten Unternehmen weniger Platz und so entschieden sich viele, an kleinere und günstigere Standorte umzuziehen oder ihre Büros sogar ganz zu schließen. Dies führte zu einem Überangebot an Gewerbeimmobilien, vor allem in Stadtzentren.
Während sich die Welt langsam von der Pandemie erholt, bringen viele Unternehmen ihre Mitarbeitenden wieder zurück an den Arbeitsplatz, zumindest für einen Teil der Zeit. Auch wenn dies zu einer erhöhten Nachfrage nach Gewerbeimmobilien führen könnte, ist es wichtig zu berücksichtigen, wie die Rückkehr ins Büro die Entscheidungen von Unternehmen in Bezug auf die Büroflächen beeinflussen wird.
Viele Unternehmen haben beispielsweise ein hybrides Arbeitsmodell eingeführt, bei dem Mitarbeitende ihre Zeit zwischen dem Büro und dem Homeoffice aufteilen. Das könnte bedeuten, dass Unternehmen nach wie vor weniger Büroräume benötigen als vor der Pandemie. Darüber hinaus haben einige Unternehmen womöglich festgestellt, dass sich durch die Remote-Arbeit die Produktivität erhöht hat, wodurch sie ihre Homeoffice-Regelungen fortsetzen. Dies könnte dazu führen, dass die Nachfrage nach Büroflächen weiterhin niedrig bleibt, auch wenn mehr Beschäftigte an den Arbeitsplatz zurückkehren.
Es ist auch wichtig zu berücksichtigen, wie sich die Rückkehr ins Büro auf die verschiedenen Sektoren von Gewerbeimmobilien auswirken wird. Beispielsweise könnten Unternehmen, die auf Laufkundschaft angewiesen sind, wie Restaurants und Einzelhandel, einen Anstieg der Nachfrage erleben, wenn mehr Menschen ins Büro zurückkehren. Dies könnte die Nachfrage nach Gewerbeimmobilien in Gegenden mit hohem Fußgängerverkehr erhöhen, selbst wenn sie nach Büroräumen niedrig bleibt.
Insgesamt gesehen ist es schwer genau vorherzusagen, wie sich die Rückkehr der Remote-Arbeitenden in die Büros auf die Gewerbeimmobilienwerte auswirken wird. Während einige Unternehmen vielleicht mehr Platz benötigen, da wieder mehr Beschäftigte zurückkommen, könnten andere ihre Homeoffice-Regelungen beibehalten, was zu einer geringeren Nachfrage nach Büroräumen führt.
Im Zuge der weltweiten Erholung von der Pandemie ist es wichtig, aufmerksam zu beobachten, wie sich Unternehmen anpassen und sich ihre Immobilienbedürfnisse ändern.
Wir haben analysiert, wie sich die Rückkehr an den Arbeitsplatz von Region zu Region unterscheidet. Angesichts anderer globaler Faktoren wie der höheren Inflation, der gestiegenen Zinsen und der Lieferkettenproblemen, von denen die Gewerbeimmobilien betroffen sind, kann das Element der Rückkehr an den Arbeitsplatz nicht isoliert betrachtet werden. Auch wenn es bei so vielen sonstigen Variablen schwer ist, die Auswirkungen dieses Elements auf die Gewerbeimmobilienwerte direkt zu messen, so bleibt es doch ein nützlicher Richtwert, der als bedeutender Faktor betrachtet werden sollte.
Vereinigtes Königreich
Im Vereinigten Königreich gibt es Anzeichen, dass Remote-Arbeit nach der Pandemie ihren Höhepunkt erreicht hat. Arbeitgeber und Vorgesetzte möchten wieder mehr Mitarbeitende zurück am Arbeitsplatz sehen.
Laut Remit hat die durchschnittliche Zahl der Beschäftigten, die in England und Wales in ihren Büros arbeiten, in der ersten vollen Arbeitswoche im September 2022 ihren höchsten Stand seit Mai 2021 erreicht. Dieser Höchstwert betrug allerdings nur 31%. Im West End und den Docklands von London, also Gebiete, in denen zahlreiche Banken und Finanzinstitute angesiedelt sind, die eine Rückkehr von Beschäftigten ins Büro befürworten, wurden die Büros an bestimmten Tagen in der Woche bis zum 9. September 2022 zu 50% genutzt.
Die Finanzbranche hat keinen Hehl aus ihrem Wunsch gemacht, Mitarbeitende wieder in ihre Büros zurückzuholen. Bereits im Februar 2021 sagte David Solomon, CEO von Goldman Sachs, auf einer Credit-Suisse-Konferenz:
"Ich glaube, dass die Remote-Arbeit für ein Unternehmen wie unseres, in dem eine innovative und kollaborative Lernkultur herrscht, nicht ideal ist. Sie ist auch keine neue Normalität. Sie ist eine Abweichung, die wir so bald wie möglich korrigieren werden."
Aktuell ändern sich auch die Machtverhältnisse in Großbritannien. Die Position, in der sich Mitarbeitende befinden, um Forderungen zum Wie und Wo ihrer Arbeit zu stellen, wird schwächer, da sich drohende Entlassungen und die Rezession auf den britischen Arbeitsmarkt auswirken. Es gibt jetzt immer mehr Entlassungen in einer Vielzahl von Sektoren. Ford hat im Rahmen eines europaweiten Programms zum Abbau von 4.000 Arbeitsplätzen bereits 1.300 Stellen im Vereinigten Königreich gestrichen. Über British Steel wird gemunkelt, dass das Unternehmen in seinem Werk in Scunthorpe 1.200 Beschäftigte entlassen würde und auch der Standort Port Talbot in Gefahr sei. Im britischen Einzelhandelssektor wurden allein seit Beginn des Jahres 2023 über 15.000 Stellen abgebaut. Obwohl diese Branchen zwar nicht unbedingt auf Remote-Arbeit setzen, sind sie für andere Branchen durchaus tonangebend.
Das spiegelt sich im Anteil der Stellenangebote auf LinkedIn wider, die Remote-Arbeit anbieten. Diese Quote ist im Dezember 2022 von 16% auf 12% gesunken.
Auswirkungen auf den britischen Gewerbeimmobilienmarkt
Es ist ungewiss, wie sich die Rückkehr in die Büros auf die Investitionen in Gewerbeimmobilien und die Transaktionswerte in diesem Markt auswirkt. Der Wirtschaftsausblick des Immobilienmaklers Carter Jonas vom Februar 2023 betont, dass die Situation komplex ist.
Die hohe Inflation in Großbritannien führt zu einem erhöhten Kostendruck für Unternehmen, weshalb bei diesen die Reduzierung von Ausgaben und die Verbesserung der Produktivität noch stärker in den Vordergrund rücken dürften. Obwohl Unternehmensimmobilien für zahlreiche Unternehmen nach Gehältern die zweitgrößte Ausgabe darstellen, kann ein hochwertiger Arbeitsbereich auch die Produktivität steigern.
Obwohl eine große Anzahl an Büroobjekten zur Verfügung steht, gibt es einen Bedarf an hochwertigeren Räumen, in denen Arbeitgeber ein dynamisches Umfeld schaffen möchten. Dies hat zu einer Erhöhung der Mieten für erstklassige Immobilien geführt. Die Umfrage der Royal Institution of Chartered Surveyors (RICS) prognostiziert einen Anstieg von 10% für das 4. Quartal 2023.
Während bei den Einzelhandelsmieten für Spitzen- und Nebenlagen ein Rückgang vorhergesagt wird, erwarten die befragten Personen einen Anstieg der Mieten für Industrieimmobilien in Spitzen- und Nebenlagen von 40% bzw. 6% netto. Darüber hinaus liegt ein größerer Schwerpunkt auf umweltfreundliche und energieeffiziente Gebäude, da Mieter danach streben, ihre ständig wachsenden ESG-Ziele (Umwelt, Soziales, Unternehmensführung) zu erfüllen.
Wir glauben, dass aufgrund des derzeitigen Mangels an neuen Entwicklungen die Spitzenmieten voraussichtlich weiter steigen und dies zu einem Anstieg der Diskrepanz zwischen Mieten für erstklassige und für geringwertigere B-Lage-Immobilien führen wird.
Carter Jonas zufolge zeigen die Transaktionsvolumina bei Gewerbeimmobilien gegen Ende 2022 einen ziemlich starken Rückgang. Im 4. Quartal 2022 betrug das Gesamtvolumen 6,885 Mrd. £ – eine Reduktion um 38% gegenüber dem 3. Quartal 2022 und um 68% im Vergleich zum 4. Quartal 2021. Der Gesamtrückgang ist allerdings nicht so ausgeprägt: Der Jahresumsatz belief sich 2022 auf 50,4 Mrd. £ – nur 8% unter dem Quartalsdurchschnitt über 5 Jahre, bedingt durch ein sehr starkes 1. Quartal 2022. Die Sektoren Industrie und Büro erhielten weiterhin die größten Investitionen, doch der Bürosektor verzeichnete im 4. Quartal mit 69% den steilsten Rückgang bei den Transaktionen im Vergleich zum 3. Quartal.
In dem im Januar 2023 veröffentlichten CBRE Monthly Index heißt es, dass die Gesamtkapitalwerte von britischen Gewerbeimmobilien 2022 um 13,3% und die jährliche Gesamtrendite um 9,1% fielen. Dies bedeutet eine deutliche Abweichung gegenüber 2021, als die Werte und Renditen um 13,8% bzw. 19,9% stiegen.
Die Trends werden angesichts einer immer noch über 10% liegenden Inflation und der weiteren Zinsanhebung im März 2022 anhalten. Die Situation ist noch nicht unter Kontrolle und besonders von den Zinsentscheidungen der Bank of England abhängig. Wir prognostizieren, dass angesichts der für Mitte bis Ende 2023 erwarteten niedrigeren Zinsen, einer geringeren Inflation und einer zunehmenden Zahl von Beschäftigten, die an ihre Arbeitsplätze zurückkehren, die Transaktionsvolumen und Bewertungen von hochwertigen Gewerbeimmobilien steigen und auf ihr Niveau von 2021 zurückkehren werden.
Deutschland
Vor der Pandemie war Remote-Arbeit in Deutschland nicht weit verbreitet. Seit im April 2022 die Homeoffice-Pflicht aufgehoben wurde, haben zahlreiche Unternehmen begonnen, ihre Mitarbeitenden wieder zurück an den Arbeitsplatz zu bringen. Die Bundesregierung hat diesen Schritt unterstützt und drückte ihre Besorgnis über die negativen Auswirkungen von Remote-Arbeit auf die Produktivität und Innovation aus.
Nichtsdestotrotz wird damit gerechnet, dass flexible Regelungen in Deutschland an Beliebtheit gewinnen, da viele Arbeitnehmer und Unternehmen ihre Vorteile erlebt haben. Deshalb wird die Arbeit in Deutschland nach der Pandemie wahrscheinlich aus einer Kombination aus Homeoffice und Präsenzarbeit bestehen, wobei Unternehmen ihren Beschäftigten ein flexibleres Arbeiten ermöglichen.
Nach einer Umfrage des Münchener Think Tanks Ifo im August 2022 arbeiteten 25% der Beschäftigten in Deutschland einen Teil ihrer Zeit von zu Hause aus. Dies ist ein deutlicher Anstieg im Vergleich zu vor der Pandemie, als der Anteil an Remote-Arbeitern nur 15% betrug.
Prof. Oliver Falck, Leiter des ifo Zentrums für Industrieökonomik und neue Technologien behauptet, dass sich der Anteil der Beschäftigten in Deutschland, die im Homeoffice arbeiten, bei 25% einpendeln wird. Er geht auch davon aus, dass diese Zahl langfristig relativ konstant bleiben wird.
Doch der durchschnittliche Anteil von Beschäftigten im Homeoffice in Deutschland kaschiert die deutlichen Unterschiede zwischen den verschiedenen Sektoren. Umfragen des ifo Instituts zufolge sind Beschäftigte von Unternehmensberatungen in Deutschland besonders häufig im Homeoffice anzutreffen: 72,5% von ihnen arbeiteten im November zumindest einen Teil ihrer Zeit von zu Hause aus, ein Anstieg gegenüber 71,5% im August.
Remote-Arbeit ist auch unter IT-Dienstleistern (71,7%) und in der Werbung und Marktforschung (60,4%) weit verbreitet.
Die Auswirkung auf die Mitarbeiterfrequenz ist beachtlich. Einer von Google veröffentlichten Analyse der Handy-Bewegungsdaten zufolge war die Mitarbeiterfrequenz Mitte Oktober 2022 in Deutschland um 14% und im Vereinigten Königreich um 24% niedriger als vor der Pandemie. Wie zu erwarten, gehen Mitarbeiter am häufigsten an den mittleren Tagen der Woche ins Büro, während montags und freitags die Anwesenheit deutlich geringer ist.
Zudem verzeichneten Städte mit Finanz- und Geschäftsvierteln den Google-Zahlen zufolge einen größeren Rückgang der Mitarbeiterfrequenz in den Büros als andere Ballungsgebiete. In Berlin verringerte sich die Mitarbeiterfrequenz im Oktober 2022 um 20% gegenüber dem Niveau von vor der Pandemie. Für das gesamte Bundesgebiet betrug der Rückgang 10%.
Auswirkungen auf den deutschen Gewerbeimmobilienmarkt
Die EU prognostiziert, dass Deutschland in den kommenden Monaten eine leichte Rezession und im späteren Jahresverlauf dann ein moderates Wachstum verzeichnen wird, da die Energiepreise fallen, Lieferengpässe behoben werden und die Exportnachfrage zurückkehrt.
Die Vorhersagen gehen auseinander, doch es wird erwartet, dass die Zahl der Beschäftigten hoch bleibt und die Arbeitslosigkeit nur leicht steigt.
Der Londoner Immobilienmakler Savils weist darauf hin, dass historisch gesehen in den letzten 30 Jahren jede Rezession in Deutschland zu einem Rückgang des Büroflächenumsatzes geführt hat. Unseren Prognosen nach wird dieser Trend 2023 anhalten und es wird Anzeichen für eine rückläufige Nachfrage nach Büroräumen geben, die sich zum Beispiel in einer größeren Verfügbarkeit von untervermieteten Büros und einem Rückgang von Mietanfragen äußern. Folglich wird das Wachstum der Leerstände gegenüber den Vorjahren anhalten und sich womöglich noch beschleunigen.
Die Auswirkungen auf die Mieten sind weniger offensichtlich. Auch wenn es generell ein Überangebot an Immobilien gibt, so steigt die Nachfrage nach hochwertigen Objekten in Spitzenlagen, wie es im Vereinigten Königreich der Fall ist. Dies verursacht in diesem Sektor eine Knappheit und könnte dadurch eine Anlagechance darstellen.
Deutschlands Immobilieninvestitionsmarkt verzeichnete 2022 ein Transaktionsvolumen von 65,8 Mrd. €, von denen 52,3 Mrd. € auf Gewerbe- und 13,5 Mrd. € auf Wohnimmobilien entfielen. Obwohl dies einen deutlichen Rückgang von 41% gegenüber 2021 darstellt, liegen die Zahlen nur um 7% unter dem 10-Jahres-Durchschnitt.
Die Preise von Gewerbeimmobilien sind ebenfalls rückläufig. Laut Umfrage der Deutschen Bundesbank vom März 2023 zu den Gewerbeimmobilienpreisen in 7 größeren deutschen Städten sind diejenigen für Einzelhandels- und Büroimmobilien im Jahr 2022 um 11% gesunken.
Insgesamt wird es gegen Ende 2023 wahrscheinlich einen Anstieg der Transaktionsvolumen und Preise vor dem Hintergrund niedrigerer Zinsen und einer Erholung der Wirtschaft geben. Die zurückkehrenden Beschäftigten und die Knappheit hochwertiger Büros werden die Nachfrage in die Höhe treiben. Es ist schwierig, angesichts von Faktoren wie den Krieg in der Ukraine genaue Angaben zu machen, doch Investoren müssen agil genug sein, um schnell auf ein sich rasch änderndes Investitionsumfeld zu reagieren.
Frankreich
Eine von der Ifop für die französische Think Tank Fondation Jean-Jaurès durchgeführte Studie kam zu dem Ergebnis, dass nur 29% der französischen Arbeitnehmer „mindestens einmal pro Woche“ im Homeoffice arbeiten. Dem stehen 51% in Deutschland und 42% im Vereinigten Königreich gegenüber.
Darüber hinaus scheinen die Beschäftigten, die in Frankreich von zu Hause arbeiten, dies weniger häufig als ihre europäischen Kollegen zu tun. Zum Beispiel arbeiten in Italien 30% der Arbeitnehmer vier bis fünf Tage pro Woche im Homeoffice und 17% an zwei bis drei Tagen. In Frankreich dagegen sind es 11% bzw. 14%.
„Die Franzosen stehen Veränderungen oft zurückhaltend gegenüber“, erklärt Sonia Levillain, Autorin von „La petite boite à outils du management à distance“ (der kleine Werkzeugkasten für das Remote-Management) und Professorin an der IÉSEG School of Management in Lille. „Das ist ein Stereotyp, aber auch eine Realität.“
Auch wenn hybrides Arbeiten in Frankreich an Bedeutung gewonnen hat, seit die Beschäftigten im Juni wieder allmählich in die Büros zurückkehren, verfolgen viele Unternehmen jetzt einen Ansatz des flexiblen Büros mit Hotdesking. Doch Levillain sagt, dass „Mitarbeiter demgegenüber sehr skeptisch sind. Sie fanden das physische Büro – wo sie arbeiteten – attraktiv, da es ein Identitätsmerkmal und ein Zeichen der Zugehörigkeit zur Organisation war.“
Die Zurückhaltung gegenüber der Remote-Arbeit kann auch damit zusammenhängen, wie der französische Arbeitsplatz traditionell funktionierte: mit Vorgesetzten, die ein starkes Bedürfnis verspürten, ihre Mitarbeiter zu überwachen. Levillain erklärt: „In der Vergangenheit waren Führungspraktiken nicht auf Vertrauen und Eigenständigkeit ausgerichtet, sondern eher auf einen Top-Down-Ansatz.“
Darüber hinaus spielt in einem französischen Büro das soziale Miteinander eine wichtige Rolle bei der Entscheidungsfindung. Da diese Interaktionen in der Vergangenheit informeller Natur waren, war es bisher schwierig, sie auf einem Computerbildschirm zu reproduzieren. Levillain weist darauf hin, dass „Kommunikation spontan ist – sie ist nicht in einer Weise organisiert und strukturiert, dass sie zu einem bestimmten Zeitpunkt mit bestimmten Leuten stattfindet.“ Dem fügt sie hinzu, dass Vorgesetzte ungeplante Kontakte und Interaktionen am Arbeitsplatz schätzen. „Man geht durch das Büro und redet über Dinge an der Kaffeemaschine, denn das ist ein Ort, wo viele Entscheidungen getroffen und Lösungen gefunden werden.“
Levillain zufolge müsste die aktuelle informelle Bürostruktur in eine strukturiertere verwandelt werden, um ein nachhaltiges hybrides Arbeitsmodell zu ermöglichen. „Aus kultureller Sicht“, sagt Levillain, „glaube ich, dass wir noch viel Arbeit vor uns haben, um dies zu erreichen.“
Auswirkungen auf den französischen Gewerbeimmobilienmarkt
Von fast allen europäischen Ländern wird der relativ geringe Anteil an zurückkehrenden Remote-Arbeitern in Frankreich nur einen geringfügigen Einfluss auf die Bewertungen von Gewerbeimmobilien haben. Makroökonomische Faktoren wie Inflation, Zinsen und niedrige Wachstumsraten werden künftig in hohem Maße das Umfeld für die Gewerbeimmobilien-Bewertungen bestimmen.
Außerdem gibt es zunehmend Anzeichen dafür, dass die Konjunkturabkühlung einen Rückgang der Transaktionen und Werte von französischen Gewerbeimmobilien verursacht. Im 4. Quartal 2022 nahmen in Frankreich die Investitionen in Gewerbeimmobilien deutlich ab. Wie allgemein angenommen, ist das auf die steigenden Zinsen zurückzuführen, die sich auf die Konjunktur auswirken. Nach Angaben des französischen Statistikbüros Immostat, das Transaktionen von Investoren von über 4 Mio. € verfolgt, sind die Deals für Immobilien wie Büros, Einzelhandelsflächen und Lagerhäuser insgesamt um 52% auf 5,4 Mrd. € (5,8 Mrd. $) gefallen. Der Rückgang war in der Pariser Region mit 62% auf 2,5 Mrd. € sogar noch ausgeprägter.
Im vierten Quartal fiel der Durchschnittspreis eines Büros in der Pariser Region um 1% auf 7.980€ pro Quadratmeter, der niedrigste seit dem 3. Quartal 2020. Während des gesamten Jahres verringerten sich die Investitionen in Gewerbeimmobilien in Frankreich um 2% auf 25,5 Mrd. €, wobei die Pariser Region einen Rückgang von 3% auf 15 Mrd. € verzeichnete.
Wir erwarten, dass sich diese Situation 2023 angesichts fallender Zinsen verbessern wird. Doch sie ist komplex. Heimische Probleme wie Streiks und die Versuche der Regierung, das Rentenalter anzuheben, beeinträchtigen das Investitionsklima.
Spanien
In Spanien ist die Remote-Arbeit seit der Pandemie deutlich zurückgegangen. Selbst auf ihrem Höhepunkt im 2. Quartal 2020 arbeiteten nur 16% der Beschäftigten im Homeoffice. Diese Zahl ist Ende des 2. Quartals 2022 auf 7% gesunken, wie aus einer Studie von Randstad Spanien hervorgeht.
Ferner betonte Randstad, dass 41,5% der Wohnungen in Spanien als „für die Remote-Arbeit ungeeignet“ gelten. Der Studie zufolge verfügt eine für die Telearbeit geeignete Wohnung über genügend Platz, wie zum Beispiel ein Bürozimmer oder einen Raum, der nicht als Schlafzimmer genutzt wird.
Auswirkungen auf den spanischen Gewerbeimmobilienmarkt
Ähnlich wie im Fall Frankreich glauben wir nicht, dass das Phänomen der Rückkehr an den Arbeitsplatz mehr als nur eine geringfügige Auswirkung auf die Gewerbeimmobilienwerte haben wird. Es gibt womöglich örtliche Unterschiede. Beispielsweise ist der Anteil der Remote-Arbeitenden, die langsam wieder an den Arbeitsplatz zurückkehren, in Madrid höher (12,5%). Doch selbst das wird unserer Meinung nach keine spürbare Veränderung bei den Büromietkosten verursachen. Makroökonomische Faktoren und örtliche Bedingungen werden diese mit viel größerer Wahrscheinlichkeit beeinflussen.
Allerdings nehmen die Gewerbeimmobilientransaktionen in Spanien zu, was zum Teil durch die schnelle Rückkehr ausländischer Besucher nach der Pandemie begünstigt wird. Zum Ende des Jahres 2022 betrugen die Gesamtinvestitionen in Spanien 13,2 Mrd. €, ein Anstieg um 10% gegenüber dem Vorjahr. Auf den Einzelhandelssektor entfiel mit 32% der größte Teil der Investitionstätigkeit, gefolgt von Büros mit 20%, Wohnungen mit 19% und Hotels mit 18%. Das Investorenprofil ist gegenüber der Zeit vor COVID unverändert geblieben, wobei ausländische Käufer weiterhin den Markt dominieren. Im letzten Jahr haben inländische Investitionen jedoch zunehmend an Bedeutung gewonnen.
Schlussfolgerung
Regionale Unterschiede bestimmen die Auswirkungen der Rückkehr von Remote-Arbeitenden an den Arbeitsplatz. Die globalen makroökonomischen Faktoren, die alle Länder betreffen, werden der dominante Faktor sein, jedoch können örtliche Bedingungen, einschließlich der Rückkehrquote, die Transaktionswerte ebenfalls beeinflussen. Wir gehen davon aus, dass sich die Transaktionen und die Gewerbeimmobilienpreise 2023 in den meisten Märkten erholen werden, wobei insbesondere rückläufige Zinsen eine Rolle spielen. Es gibt jedoch noch einige Unbekannte, darunter eine mögliche Bankenkrise und der anhaltende Krieg in der Ukraine. Investoren müssen auf jeden Fall agil und leichtfüßig sein, je nachdem in welchem Sektor und welcher Region des Gewerbeimmobilienmarkts sie tätig sind, um sich an die wechselhaften und unvorhersehbaren Marktbedingungen anzupassen.





