Innovation im Immobiliensektor: Proptech - Der Aufstieg von Technologie auf dem Immobilienmarkt

23. Februar 2018 | Drooms Global

Wie man es auch dreht und wendet – Veränderung ist eine Realität, die sich hier und jetzt vollzieht, und Technologie wird mit zunehmender Reifung des Sektors immer weiter an Bedeutung gewinnen. Wenn man nicht Gefahr laufen will, von der Konkurrenz abgehängt zu werden, gibt es nur einen Weg nach vorn und der bedeutet die unausweichliche Umstrukturierung anzugehen.


Mit dem Begriff „Proptech“, der sich aus dem Englischen für „Property“ und „Technology“ zusammensetzt, wird in letzter Zeit häufig um sich geworfen. In seiner einfachsten Form kann er als Nutzung und Einsatz von Technologie zugunsten des Immobiliensektors verstanden werden. In Punkto Geltungsbereich jedoch wird sich seine Definition im Laufe der Zeit höchstwahrscheinlich ändern. Die Vorstellung, dass Technologie aktuell angebotene Dienstleistungen verbessern kann, ist zwar nichts Neues. Im Gegensatz dazu sind aber sowohl das Schlagwort „Proptech“ neu als auch die Schnelligkeit, mit der sich der Markt bewegt. Die erste PropTech-Welle, die von der Universität Oxford und der Saïd Business School in einer Studie aus dem Jahr 2017 mit dem Titel PropTech 3.0: the future of real estate als „PropTech 1.0“ bezeichnet wurde, lässt sich auf die 80er Jahre zurückverfolgen, als die ersten Computer auf den Markt kamen, die zum Teil Tabellenkalkulationssoftware zur Datenformatierung und -analyse unterstützen konnten.

Warum also gerade jetzt plötzlich die ganze Aufregung?

Eine neue Innovations- und Investitionswelle

Technologische Durchbrüche wie das Internet der Dinge (IoT), 4G, WLAN, Open-Source-Software, e-Commerce und Cloud Computing haben die Nachfrage nach technologisch versierten Immobilienfachleuten angekurbelt. Auch in Sachen Fundraising wurde zugelegt – es ist in der Immobilienbranche zwar generell weit verbreitet, hat jedoch gerade in den letzten vier Jahren besonders um sich gegriffen. Anfang 2017 von SBInsights herausgegebene Zahlen zeigen, dass Proptech-Firmen in den letzten fünf Jahren jährlich neue Rekorde sowohl bei der Anzahl von Deals als auch bei der Höhe der aufgenommenen Gelder gebrochen haben. In diesem Zeitraum wurden Finanzierungsmittel von knapp 6,4 Milliarden USD für insgesamt 817 Deals aufgenommen. 2016 allein trugen Start-ups aus der Immobilienbranche die kolossale Summe von 2,6 Milliarden USD für insgesamt 235 Deals zusammen. Besonders Homelink (926 Mio. USD) und OpenDoor Labs (210 Mio. USD) sicherten sich hohe Finanzierungssummen. Das Wachstum ist auch nicht auf einen bestimmten Markt oder Produkttyp beschränkt.

Der Immobiliensektor. Ein Spätentwickler

Trotz der gewaltigen Finanzierungsbeträge lässt sich nicht ignorieren, dass sich diese große Anlageklasse nur sehr langsam verändert. Man weiß, dass dieser aufstrebende und traditionell konservative Sektor sich nur sehr langsam mit technologischen Neuerungen anfreundet. Disruptive Technologien wurden hier zweifellos später aufgenommen als in anderen Branchen. Ross Bailey, Gründer von „Airbnb for Retail“ beschrieb die Branche als „ineffizient und altmodisch“. Branchenübliche Gepflogenheiten sind notorisch ineffizient und neigen dazu, überhöhte Transaktionskosten nach sich zu ziehen, die von Beratern gebilligt und geschützt werden. Ein Haupthindernis für eine zeitnahe Übernahme technologischer Neuerungen war die mangelnde Nachfrage – viele Branchenakteure fragen sich, ob Veränderungen wirklich notwendig sind, wenn es doch bequeme und alteingefahrene Methoden gibt, die rentabel sind und immer noch funktionieren. Darüber hinaus besteht die von mangelndem Grundwissen über die Thematik angeheizte Befürchtung, dass Technologie den Mittelsmann überflüssig machen und Immobilienfachleute letztlich gänzlich ersetzen könnte. Doch es stimmt nicht, dass Technologie zwangsläufig Arbeitsplatzverluste nach sich zieht – die Automatisierung mühsamer Aufgaben optimiert Prozesse, verbessert Workflows und steigert die Produktivität. Auch der nordamerikanische Fachverband für Immobilienmakler National Association of Realtors teilt diese Ansicht.

Proptech kann die Branche effizienter machen

Wie man es auch dreht und wendet – Veränderung ist eine Realität, die sich hier und jetzt vollzieht, und Technologie wird mit zunehmender Reifung des Sektors immer weiter an Bedeutung gewinnen. Wenn man nicht Gefahr laufen will, von der Konkurrenz abgehängt zu werden, gibt es nur einen Weg nach vorn und der bedeutet die unausweichliche Umstrukturierung anzugehen. Firmen wie VTS, TenX und Habiteo sind zu festen Bestandteilen des Marktes geworden, und Innovationen wie Crowdfunding für Bauprojekte und Investmentzwecke, Arbeitsplatzteilung, Wohngemeinschaften und Haus- oder Wohnungstausch werden immer populärer und schaffen ebenfalls neue Arbeitsplätze.

Zunehmende Komplexität beim Dealmaking, strengere Compliance und andere regulatorische Vorschriften sowie breiter gefächerte Volumen und Typen betroffener Dokumente machen Due Diligence zu einem der größten Anwendungsfälle für Proptech im Immobiliensektor. Der Bedarf an Immobilienfachleuten, die sich mit moderner Technologie auskennen und mit spezialisierten Softwareplattformen wie virtuellen Datenräumen umgehen können, wird weiter zunehmen. Durch die Nutzung intelligenter Systeme zur Automatisierung der Due Diligence haben Fachleute die Möglichkeit, sich auf qualifiziertere und weiterführende Aufgaben zu konzentrieren. Als Drooms begann, zusammen mit Rechtsexperten den Findings Manager zu entwickeln, hatten wir ein ganz bestimmtes Ziel im Kopf: Due Diligence-Experten beim Sortieren großer Informationsmengen zu helfen und so alle an einer Transaktion beteiligten Parteien zu unterstützen. Mithilfe des Feedbacks aus dem Markt wurde der Findings Manager für eine Beschleunigung der Dokumentenprüfungsphase konzipiert. So werden dank des Findings Managers potenzielle Interessengebiete automatisiert hervorgehoben. Die Validierung der Ergebnisse erfolgt unmittelbar innerhalb des Datenraums. Vorteile wie Prozessoptimierung und Risikoanalyse sind möglich, da Drooms Machine Learning und Künstliche Intelligenz implementiert hat.

Eine Branche, die so reif für Veränderung ist, bietet enorm viele Chancen. Allerdings sollte man die Fähigkeit des Sektors nicht unterschätzen, sich Innovation zu widersetzen. Auch Proptech-Firmen werden mit verschärftem Wettbewerb konfrontiert sein, und viele von ihnen werden die Turbulenzen nur dann überstehen, wenn sie einen echten Bedarf decken und zu einem effizienteren Immobilienmarkt beitragen und nicht nur deshalb existieren, weil sie disruptiv sind.