ICOs: Die beste Art von Crowdfunding?

19. April 2018 | Drooms Global

Allein in 2017 wurde mithilfe von Initial Coin Offerings (ICOs) Kapital im Wert von 5,6 Milliarden USD beschafft, im Vergleich zu nur 1 Milliarde USD für traditionelles Risikokapital. Zwar entscheiden sich viele Unternehmen für diese neue Methode des Fundraising, ebenso viele jedoch warnen vor ihr.


Wie funktioniert das Fundraising durch ICOs?

Start-ups und Unternehmen, die traditionellere Optionen zur Kapitalaufnahme in Betracht ziehen, neigen dazu, sich entweder für einen Börsengang (Initial Public Offering - IPO) oder für Crowdfunding-Plattformen zu entscheiden.

Für das Geschäftsmodell von Unternehmen jedoch, die ICO-Kampagnen starten wollen, ist die Ausgabe von Krypto-Tokens in einer Blockchain ausschlaggebend. Investoren erwerben Tokens – auf der Ethereum-Plattform werden diese „Ethers“ genannt – im Austausch für Kryptowährung. Diese Tokens können sie dann für die vom Unternehmen angebotenen Produkte und Dienstleistungen benutzen. Kryptomünzen, auch „Kryptos“ genannt, umfassen unter anderem Bitcoin, die erste von der Blockchain-Technologie (deren Gründer/Mitgründer immer noch unbekannt sind) möglich gemachte Kryptowährung, sowie Altcoins wie Ripple und Litecoin.

Bei der sogenannten Original-Option führt das Unternehmen seinen eigenen Token ein, diese Variante ist heute jedoch weniger geläufig. Eine weitere Option ist der „Second Layer“ Token – hier führt das Unternehmen zusätzlich zu einem bereits bestehenden Token ein benutzerdefiniertes Token ein. Der Weg, der heute von vielen eingeschlagen wird, beruht auf der Nutzung einer kundenspezifischen ICO-Plattform ähnlich wie Kickstarter.

Was zeitliche Beschränkungen und Obergrenzen für den aufgenommenen Geldbetrag betrifft, unterliegen ICOs gewissen Einschränkungen. Der Wert oder die Anzahl der vom Unternehmen herausgegebenen Tokens kann anhand des vom Unternehmen zusammengetragenen Kapitals berechnet werden oder kann statisch bleiben.

Eine einfach und zunehmend populäre Art des Fundraising

Da das Fundraising hauptsächlich in einem Frühstadium erfolgt, häufig noch vor der Einführung klarer Produkte oder Dienstleistungen, bieten ICOs für viele Unternehmen eine einfache Lösung für den schnellen Zugriff auf Kapital und helfen ihnen dabei, ihr eigenes Angebot schneller zu entwickeln.

Dies ist nicht nur eine attraktive Option für Unternehmen, sondern auch für Investoren, deren Erfolg auf der Spekulation basiert, dass der Wert der Münze steigt. Zu einem bestimmten Zeitpunkt ist der Wert von Etherum um 4.000 % gestiegen .

Leichter Zugang zu hohen Gewinnen und Liquidität sowie schnelle Durchlaufzeiten sind nur einige der Gründe für die zunehmende Popularität von ICOs.

Gesetzliche Probleme werfen dunkle Schatten über die Investmentoption

Trotz gewisser Vorteile sind ICOs in gesetzlicher Hinsicht Neuland. Ihre gesetzliche Klassifizierung ist umstritten. Ein Austausch im Rahmen eines ICO ist keine Schenkung, da Investoren dadurch einen Anteil am Unternehmen erhalten, ist aber auch nicht mit Aktien zu vergleichen.

Bislang haben Regierungen keine klaren Bestimmungen festgelegt oder Beurteilungen durchgeführt. Allerdings hat es zahlreichen Warnungen gegeben. Erst im letzten Dezember hat die US-Börsenaufsichtsbehörde (SEC) Investoren davor gewarnt, Geld in Kryptowährungen zu investieren, da dies gegen Bundessicherheitsgesetze verstoßen könne. Die drohende Regulierung hat dazu geführt, dass viele Kryptowährungen, einschließlich Etherum, Wertverluste verzeichnet haben.

Ferner kann der Mangel an rechtlichen Bestimmungen enorme Risiken sowohl für Unternehmen als auch Investoren mit sich bringen. Bei Auftreten von Problemen könnte es schwierig sein, den Schuldigen zu bestimmen. Beide Parteien sind den Auslegungen örtlicher Gerichte ausgesetzt. Ohne klare Regeln und Vorschriften können beide Seiten verlieren. Leider gilt nicht dasselbe Schutzniveau wie bei traditionellen Crowdfunding-Möglichkeiten.

Risikobewertung ist schwierig, aber notwendig

Letztlich müssen Investoren verstehen, dass ICOs im Grunde eine Anlagemöglichkeit wie jede andere sind und Risiken unterliegen. Investoren sollten unbedingt ein ordnungsgemäßes Bewertungsverfahren durchführen und sich eingehend mit den rechtlichen Aspekten des spezifischen Angebots vertraut machen. Eine solche rechtliche Bewertung ist auch für Unternehmen wichtig, die diesen Weg in Erwägung ziehen. Die Möglichkeit, über Nacht reich zu werden oder einem einfacheren Fundraising-Prozess zu folgen, darf unser Urteil nicht trüben – ein gutes Unternehmen und ein kluger Investor analysieren stets alle Gefahren.

ICOs unterscheiden sich durch ihre riskante und spekulative Natur vom traditionellen Crowdfunding-Prozess. In einer Finanzierungsrunde können Kapitalgeber den Wert eines Unternehmens einschätzen, indem sie es mit ähnlichen Unternehmen vergleichen, der Marktwert ist sichtbar. Bei ICOs hingegen müssen sich Investoren erheblich blinder vorantasten, weil es keine klare Möglichkeit gibt, den Wert jedes Tokens zu analysieren.

Es ist nur schwer einzuschätzen, ob ICOs in Zukunft die Rolle traditioneller Crowdfunding-Options übernehmen werden. Auch wenn die jüngsten Investmentoptionen potenziell langfristig Bestand haben könnten, sind sie doch mit einer Reihe von Problemen behaftet, die noch ausgebügelt werden müssen.